Der Reisebericht von Nele.

Wo fange ich nur an. Alles fing damit an, dass das Mäuschen die Nacht von Samstag auf Sonntag richtig schlecht geschlafen hat, besser gesagt, sie hat mich drei Stunden wach gehalten. Ob es daran lag, dass es am Tage recht warm war und wir daher das Fenster offen hatten, so dass wir auch etwas von der Party der Nachbarn mitbekamen?

Die Nacht war auch recht kurz und somit dachte ich mir nichts dabei, als ich mich am nächsten Morgen nicht so wohl in meiner Haut fühlte. Das Mäuschen schien das auch gespürt zu haben und zog mich auf die Couch, wo sie sich mit Katalog lesen und ähnlichem beschäftigen lies. Bis auf ein Ziehen und einen harten Bauch, was ich auf merkbare Übungswehen schob, ging es mir auch gut – nur das Ziehen war ab und an unangenehm. Wie immer ging es gegen 12:00 Uhr den Liebsten wecken. Da dieser unter der Woche nebenher noch arbeiten ging, durfte er Sonntags diesen Luxus genießen.

Da ich ja die ersten Wehen beim Mäuschen auch als Übungswehen abgetan habe, habe ich ihn diese Mal über das Ziehen informiert. Der morgendliche Toilettengang brachte die Erkenntnis, dass es wohl richtige Wehen seien, die jedoch ziemlich unregelmäßig kamen aber es wohl bald losgehen könnte. Das Ziehen machte mir weniger zu schaffen als die Müdigkeit. Der Liebste und das Mäuschen bereiteten, während ich die Beine auf der Couch hoch legte, das Frühstück zu. Das Frühstück verlief – bis auf den Beschluss – dass wir heute wohl zur Sicherheit noch eine Tasche mit Klamotten packen werden – recht unspektakulär. Gegen Nachmittag machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt – wir brauchten noch ein Weisbrot fürs Abendessen – wir wollten grillen. Zwar brauchten wir etwas länger für die Strecke, aber dies war ja egal. Der Liebste hatte recht gute Laune, da wohl alles nach seinem wohlverdienten Jahresurlaub aussah…

Nachdem wir das Brot fürs Abendessen gekauft hatten, ging es noch zum Lieblingseisdealer. Für mich und das Löwenbaby gab es einen Fruchtbecher und eine Eisschokolade – das Wiegen beim Frauenarzttermin fiel ja flach…

Auf dem Rückweg, der mindestens genauso lange wie der Weg in die Stadt dauerte, einigten wir uns auch auf einen möglichen Jungennamen. Ja, wir hatten immer noch keinen Namen, was mich beinahe in Tränen ausbrechen ließ. Und der Liebste machte sich nur lustig über mich. In der Wohnung angekommen, stellten wir schnell fest, dass es mit dem Grillen doch nichts wird, da ich vergessen hatte, das Fleisch aus dem Gefrierfach zu nehmen. So bekam das Löwenbaby halt nochmal eine ordentliche Portion Nudeln mit Tomatensoße als Henkersmahlzeit.

Nach dem Essen waren wir schon bei 15 – 20 Minuten regelmäßiger und dennoch gut aushaltbaren Wehen angelangt. Während ich noch überlegte, ob ich mir die Beine rasieren sollte oder nicht, kam eine eine sms von meiner Mutter. Sie fragte, ob es mir gut ging. Ich antwortete nicht darauf, weil nicht wußte, was ich schreiben sollte. Und unnötig beunruhigen wollte ich sie nicht. Ich entschied mich für die Enthaarung mit Enthaarungscreme. Und duschen war ich nicht – ich hörte auf meine Hebamme 😉 . Mittlerweile war es an der Zeit, dass das Mäuschen ins Bett geht. Aber sie wollte und wollte einfach nicht schlafen. Die Wehen kamen in der Zeit schon alle 7-8 Minuten. Nun war es doch an der Zeit, die Hebamme anzurufen, was der Liebste auch tat. Ich packte noch ein paar Sachen in die Wickeltasche, die wir ja fürs Mäuschen brauchten, in meine Handtasche wanderten noch ein paar wärmende Frotteesocken vom Liebsten sowie fand das ein oder andere noch den Weg in die Tasche fürs Krankenhaus. Wir wollten uns um 23:00 Uhr vor der Tür des Geburtshauses treffen. So ging es dann mit dem Mäuschen also Richtung Krankenhaus, wo das hier ansäßige Geburtshaus, ein „Zimmer“ hatte. Ich veratmete drei Wehen in 29 Minuten Autofahrt , der Liebste fuhr schon etwas schneller aber alles im Rahmen. Das Mäuschen fand es richtig toll, um diese Zeit noch Auto zu fahren, wir hofften allerdings, dass sie dabei einschlief, was sie allerdings natürlich nicht tat.  Da ja um diese Zeit die Haupttür des Krankenhauses verschlossen war, ging es über die Notfalltür rein. Nach einem kurzen Verneinens nach einem Rollstuhl, gingen wir langsam und ich bauchhebend durch den Flur Richtung Aufzug. Natürlich haben wir den falschen Aufzug erwischt. Die Frauenabteilung und damit auch das Zimmer des Geburtshauses befanden sich im neuen Teil des Krankenhaus, so dass wir erstmal hoch und wieder runter fuhren, um den Flur zu wechseln. So entdeckte das Mäuschen ihre Vorliebe fürs Aufzug fahren, was sich in den Tagen noch in voller Pracht entwickeln sollte.

Während wir auf die Hebamme warteten, bespaßte der Liebste das müde Mäuschen, was ihm auch recht gut gelang. Die Wehen kamen und gingen. Die Hebamme war nicht sonderlich erstaunt als sie uns sah, ich hatte sie da schon vorgewarnt und da sie die Geschichte von Mäuschen kannte, ging es auch recht flott.

Nachdem ich am CTG angeschlossen war, wo man bereits sehr schön die Wehen sehen konnte und die Abstände abermals kleiner wurden, stand ich der Hebamme Rede und Anwort. Währenddessen ging der Liebste mit dem  Mäuschen auf den Flur spazieren. Besser gesagt, er hat sie getragen, da sie ja müde war und Bewegung hilft beim Einschlafen. Nach gut 20 Minuten ( oder auch mehr – ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren) und es richtig los ging, kam er mit einen schlafenden Mäuschen zurück. Dieses schlafende Mäuschen wurde rasch in zwei Stillkissen verpackt, kam zu mir unter die Decke und nun konnte es los gehen. Die Wehen wurden zunehmens heftiger und wie schon damals beim Mäuschen, spürte ich einen Druck auf der Blase. Also ab vom CTG und der Weg zur Toilette, die eigentlich nicht sonderlich weit ist, konnte beginnen. Er dauerte zwischen Wehen veratmen recht lange (ich hoffte inständig, dass das Mäuschen nicht weiter gestört wurde). Während die Hebamme in der Zwischenzeit den Boden abdeckte, worauf der Hocker seinen Platz einnehmen sollte, öffente sich die Fruchtblase. Dann ging alles ratz fatz. Zwei oder vielleicht auch drei Presswehen und das Löwenbaby war da. Einfach so. Auf den Weg zum Hocker. Der Liebste half mir aufs Bett – meine Beine waren doch einem Wackelpudding sehr ähnlich, während die Hebamme mit dem Löwenbaby direkt hinter mit war.

Das Mäuschen schlief immer noch. Allerdings meldete sich das Löwenbaby direkt zu Wort und im gleichen Augenblick schlug auch das Mäuschen dann ihre Äuglein auf. Sie schaute auf meinen Bauch und anschließend auf das Löwenbaby und quittierte dies mit einem ihrer berühmten „Oh“ und wollte ihre kleine Schwester (wir hatten dann in der Zwischenzeit geschaut, was „es“ ist) sofort ab knutschen und drücken und überhaupt. Während das Löwenbaby versorgt und untersucht wurde, besorgte der Liebste heißes Wasser fürs Mäuschen, die nach einem Fläschen verlangte. Leider hörte die Hebamme ein Geräusch im Herzen, welches am Tage nochmal genau untersucht wurde, zwar als beobachtungsfähig beurteilt wurde allerdings nicht allzu besorgniserregend. Mir machte es trotzdem zu schaffen. Gegen 0300 fuhr der Liebste mit dem Mäuschen nach Hause – sie und er waren müde leider fuhr die Krankenhaustasche auch mit. So lag ich wieder da – im gleichen Zimmer, wieder voller Adrenalin, welches mich nicht schlafen ließ, so schickte ich an die üblichen Verdächtigen eine sms, die weckte vermutlich wieder alle Leute auf – und mein Akku vom Handy war fast alle aber hatte wie beim Mäuschen das Bedürfnis zu reden. Blöd nur, dass zum einen der Akku vom Handy schlapp machte sowie ich dieses Mal das Zimmer mit zwei anderen Frauen teilte.

Das Löwenbaby heißt deshalb Löwenbaby, da sie ganz knapp im Sternzeichen Löwe geboren wurde und mein Bruder uns im Laufe des Morgens zum „Löwenbaby“ gratuliert hatte.

Noch ein paar Fakten zu ihr: Sie wog 2535 g (40g weniger und wir hätten auf ne andere Station gedurft), war 47 cm lang (sie passte wunderbar in eine Hand von meinem Vater) und hatte nen Dickkopf von 33 cm.

„Du machst sehr viel mit der selbst aus“ – dies war ein Satz, der passt(e) wie die Faust aufs Auge und kam während den Wehen von meiner Hebamme. Und ist bis heute hängengeblieben.

Als dies ist nun ein Jahr her. Ein Leben ohne unserem Löwenbaby ist nicht mehr vorzustellen. Sie hat mind. genauso viel Blödsinn wie ihre Schwester im Kopf und mind. genauso viel Charme, welchen sie wunderbar einsetzen kann.

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